Jan de Brandt wird neuer Chefcoach der Roten RabenZurück zur Übersicht

JdB Shakehands

Nur drei Tage nach dem Ende der Play-off-Finalserie um die Deutsche Meisterschaft gegen den Dresdner SC gehen die Roten Raben Vilsbiburg mit wichtigen, zukunftsweisenden Personalentscheidungen an die Öffentlichkeit. Wie Geschäftsführer André Wehnert meldet, hat der DVV-Pokalsieger und Deutsche Vizemeister den 55- jährigen Belgier Jan de Brandt als neuen Chefcoach für die Saison 2014/15 unter Vertrag genommen. Zugleich bleibt das bisherige Trainergespann Jonas Kronseder/Vera Bondar in Vilsbiburg und kehrt auf seine ursprüngliche Tätigkeiten im Trainerstab zurück.

In die letzte Saison waren Jonas Kronseder und Vera Bondar als Co-Trainer des damaligen Chefbetreuers Jorge Munari gestartet, Kronseder zudem als Scout. Als sich im Januar 2014 die Wege von Munari und den Roten Raben trennten, übernahmen Kronseder und Bondar die sportliche Verantwortung – und führten das Team zu außerordentlichen Erfolgen: Die Vilsbiburger Volleyballerinnen wurden Anfang März DVV-Pokalsieger und erreichten in den Bundesliga-Play-offs durch Siege über Potsdam und Wiesbaden die Finalserie; erst dort mussten sich die Roten Raben dem Favoriten Dresden geschlagen geben.

„Die Konstellation mit Jonas und Vera hat in dieser Phase einfach gepasst“, so Geschäftsführer Wehnert. „Sie haben Super-Arbeit geleistet, der Erfolg gibt uns recht.“ Gleichwohl, so Wehnert, sei zwischen den Beteiligten verabredet gewesen, dass diese Lösung zeitlich befristet bleibe – bis zum Saisonende.

Die Gründe liegen auf der Hand: Für den 26-jährigen Jonas Kronseder käme ein dauerhaftes Engagement als Cheftrainer „ein bisschen zu früh“, wie er selbst sagt: „Ich muss noch Erfahrungen sammeln.“ Dazu kommt der Faktor Zeit. Kronseder macht ab Sommer in mehreren Etappen seine A-Lizenz als Trainer – ein Projekt, das nicht einfach so neben einem Bundesliga-Cheftrainerposten zu erledigen ist. Zudem betreibt er an einer Düsseldorfer Hochschule ein Fernstudium in der Fachrichtung Sportbusiness Management.

Es ist also ein logischer Schritt, dass der junge Coach mit seiner erfahrenen Partnerin auf der Trainerbank, der 53-jährigen Vera Bondar, nach Saisonende wieder aus der ersten Reihe zurücktritt. Die sportliche Verantwortung bei den Roten Raben übernimmt zur neuen Spielzeit ein international erfahrener Mann mit sehr guten Referenzen: Jan de Brandt, Jahrgang 1959, hat für sein Heimatland Belgien zwischen 1978 und 1989 die stolze Zahl von 350 Länderspielen absolviert und war nach Ende seiner aktiven Karriere zunächst Männercoach, bevor er 2001 zu den Frauen wechselte.

Neben Engagements als belgischer Frauen- und Juniorinnennationaltrainer arbeitete Jan de Brandt mit Erfolg in mehreren europäischen Ligen, so holte er 2010 mit Fenerbahce Istanbul in der Türkei das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Supercup und erreichte obendrein in der europäischen Champions League den 2. Platz. Es folgten Stationen bei Igtisadchi Baku und Volero Zürich, aktuell ist de Brandt als Coach des ungarischen Nationalteams tätig.

Dem Anforderungsprofil der Roten Raben entspricht der neue Mann auf der Trainerbank aus zwei fundamentalen Gründen, wie Geschäftsführer André Wehnert betont: „Zum einen ist Jan de Brandt ein im Ligabetrieb international erfahrener Trainer, zum anderen hat er seinen Fokus in den Bereichen Ausbildung und Nachwuchsarbeit. Es gibt nicht sehr viele Trainer, die diese beiden Komponenten so gut in einer Person vereinen wie er.“ Damit sei der Belgier gerade für den Volleyball-Standort Vilsbiburg, wo man neben dem reinen sportlichen Erfolg auch der gezielten, nachhaltigen Förderung von Talenten hohe Bedeutung beimisst, der richtige Mann. Dass er überdies acht Sprachen spricht, kann nur von Vorteil sein.

Jan de Brandt freut sich schon auf seine neue Aufgabe. „Der gute Ruf“ des Clubs habe ihn nach Vilsbiburg geführt, dort wolle er ab dem Sommer an maßgeblicher Stelle mithelfen, ein Programm zu entwickeln, damit die Roten Raben weiterhin eine besonders gute Adresse in ihrer Sportart bleiben. Wer den Belgier im übrigen als positiv Verrückten in Sachen Volleyball bezeichnet, dürfte kaum falsch liegen. „Ich will“, sagt Jan de Brandt, „über meinen Sport alles wissen – körperlich, technisch, taktisch, strategisch, mental. Und dieser Sport entwickelt sich immer weiter.“