40 Jahre Volleyball in Vilsbiburg - 25 Jahre Bundesliga

1970er Jahre

Man schreibt den 2. Oktober 1971, als sich unter der Federführung von Ekkehard Wetzel neun volleyballbegeisterte männliche Jugendliche zusammenfinden und eine eigene Abteilung Volleyball im TSV Vilsbiburg gründen, die zunächst den Namen „Turnspiele“ trägt. Erster Abteilungsleiter wird Elmar Stoffler, der zwei Jahre später von Franz Schober abgelöst wird. Zu den Aktivposten jener Zeit zählt insbesondere auch ein Mann wie Wipp Hufnagl, der die damals noch eher unbekannte Sportart Volleyball an der Realschule nach Kräften fördert.

Schon 1972 bildet sich eine Frauenmannschaft. Diese wird unter Trainer Klaus Deinböck schnell erfolgreich, schafft Aufstieg um Aufstieg und erkämpft sich bereits 1976 die Spielberechtigung für die 2. Liga. Das Besondere daran: Es sind ausschließlich Vilsbiburgerinnen, die diese Erfolge erzielen.

1980er Jahre

1981 gelingt dem Damenteam mit Trainer Wolfgang Schellinger gar der sensationelle Aufstieg in die Bundesliga. Mit dem Erfolg steigen die Anforderungen, Managerin Christl Weidauer verstärkt die Mannschaft mit Spielerinnen aus dem Ausland. Mit Beppo Stolarik kommt ein renommierter Trainer aus der CSSR.
Auf den sportlichen Erfolg folgt die überregionale Aufmerksamkeit. Ein Reporter der „Süddeutschen Zeitung“ schildert den Aufstieg nicht ohne jenes, vorsichtig formuliert, gewisse Überlegenheitsgefühl, das die Großstädter „Provinzlern“ und erst recht einer niederbayerischen Kleinstadt gegenüber an den Tag legen, und bringt dies in der Überschrift poetisch zum Ausdruck: „Wenn Gulliver auf Reisen geht…“

Das zu finanzierende Budget wird immer größer, was dazu führt, dass 1987 die Abteilung Volleyball aus dem Hauptverein TSV herausgelöst wird. Es entsteht ein eigener Verein, der VSV Vilsbiburg.

1990er Jahre

Nach neun Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit zur Bundesliga steigt die Mannschaft 1990 in die 2. Liga ab. Weil die für einen Wiederaufstieg erforderlichen finanziellen Mittel nicht vorhanden sind, zieht man sich 1992 freiwillig in die Bezirksliga zurück.
Doch es gibt einen Weg zurück nach oben: 1995 übernimmt Klaus-Peter Jung-Kronseder das Ruder beim VSV, unterstützt vor allem von Mane Stiegler und Harry Giglberger, dem späteren langjährigen Präsidenten. Jung-Kronseder entwickelt sich schnell zum Dreh- und Angelpunkt des Vereins. Er baut Schritt für Schritt eine immer leistungsstärkere Mannschaft auf, engagiert als Trainer Milos Zika, holt als Führungsspielerin Vera Bondar aus St. Petersburg und intensiviert zudem die Nachwuchsförderung. Mit durchschlagendem Erfolg: Der Verein marschiert bis zum Jahr 1999 zurück in die Bundesliga. Im gleichen Jahr wird der Fanclub „Rabenpower“ gegründet, der mittlerweile 180 Mitglieder zählt.

Bereits 1998 erfolgt die Geburt der „Roten Raben“. Schöpfer und Ideengeber dieses neuen Markenzeichens im deutschen Volleyball ist der international bekannte Graphik-Designer Stefan Hulbe. Jung-Kronseder erkennt die enormen Chancen, die in dem neuen Namen in Sachen Aufmerksamkeits- und Wiedererkennungswert liegen, und setzt die Umbenennung gegen anfängliche Widerstände durch.

2000er Jahre

Noch einmal gibt es einen kurzen Absacker in die 2. Liga, dem aber der sofortige Wiederaufstieg unter Trainer Werner Neumeier folgt. 2001 wird die Bundesligabetriebs GmbH gegründet, um das finanziell aufwändige Profigeschäft von der normalen Vereinstätigkeit abzutrennen.
Sportlich etablieren sich die Roten Raben mit Trainer Mike Schöps und Katja Wühler als zentraler Figur auf dem Spielfeld allmählich sogar in der Spitzengruppe der Bundesliga, wovon die beiden Vizemeisterschaften 2005 und 2006 zeugen.

Unter Schöps’ Nachfolger Guillermo Gallardo erlebt der Vilsbiburger Volleyball dann die erfolgreichste Zeit seiner Geschichte: Der Argentinier führt die Roten Raben 2008 und 2010 zur Deutschen Meisterschaft und dazwischen 2009 zum DVV-Pokalsieg.

2010 bis 2015

Die Roten Raben haben sich seitdem auf hohem Niveau stabilisiert, in den Jahren 2011, 2012 und 2013 schließen sie die Bundesliga-Saison jeweils mit dem Gewinn der Bronzemedaille ab. 2014 kommt der vierte nationale Titel hinzu, als das Team vor 10.200 Zuschauern im Gerry Weber Stadion in Halle/Westfalen mit einem 3:0-Finalsieg gegen die VolleyStars Thüringen den DVV-Pokal gewinnt.

Die regelmäßige Teilnahme am Europapokal sorgt zudem dafür, dass der Name der Kleinstadt Vilsbiburg mit ihren gut 11.000 Einwohnern auch international einen guten sportlichen Klang hat. Der Verein hat aktuell 300 Mitglieder, kann neben dem Bundesliga-Team als Aushängeschild auch auf die 2. Mannschaft verweisen, die in der 2. Liga an den Start geht, sowie auf eine umfangreiche Nachwuchsarbeit, dank der bereits zahlreiche Titel nach Vilsbiburg geholt werden konnten.

Zu erwähnen ist auch das Volleyball-Internat, das die Roten Raben mit großzügiger Unterstützung von Ehrenpräsident Peter Bruckmayer betreiben und das als Stützpunkt Süd des Deutschen Volleyball-Verbandes offiziell anerkannt ist. 2011 wurde die hervorragende Nachwuchsarbeit mit dem „Grünen Band“ des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ausgezeichnet.

2015/16

Diese Saison ist wahrlich eine besondere für die Roten Raben! Volleyball in Vilsbiburg absolviert seine 25. Bundesliga-Spielzeit – ein Vierteljahrhundert in der höchsten deutschen Liga, das ist per se schon ein Grund, mit einigem Stolz zurückzublicken auf das, was man geleistet und erreicht hat. Im Falle der Roten Raben gilt dies – in aller Bescheidenheit – wohl noch ein bisschen mehr: Man misst sich – aus der 11.000-Einwohner-Stadt Vilsbiburg kommend – jetzt schon 25 Jahre lang mit den besten deutschen Teams aus weit größeren Städten mit oft deutlich höherer Wirtschaftskraft. Und hat dabei – siehe oben – schon vier Titel geholt. Darauf kann man in der Tat stolz sein – und daraus zugleich Motivation und Ansporn ableiten für künftige sportliche Erfolge, damit Volleyball „Made in Vilsbiburg“ auch weiterhin ein Markenzeichen bleibt.