Süddeutsche Zeitung vom 4. 11.2009
Neue Territorien
Vilsbiburgs Erstliga-Volleyballerinnen fehlt noch die Abstimmung.
Die Roten Raben Vilsbiburg wollten einfach kein Heimspiel mehr verlieren in der Volleyball-Bundesliga. Eineinhalb Jahre lang, seit April 2008. Vor elf Tagen jedoch riss die eindrucksvolle Serie. Gegen Stuttgart setzte es ein 1:3, nach dem Matchball machte sich eine merkwürdige Stille bei den erfolgsverwöhnten Zuschauern breit. Aus gutem Grund: So schlecht ist der Pokalsieger und Meisterschaftszweite der vergangenen Saison seit Jahren nicht mehr in eine Spielzeit gestartet. Auch die Punkte zum Ligaauftakt in Münster hatte Vilsbiburg überraschend abgegeben. Mit Aachen, Sonthofen und den Aufsteigern Köpenick und Lohhof stand die Mannschaft von Guillermo Gallardo punktlos am unteren Ende der Tabelle. Vilsbiburg ist damit nächsten Sonntag (16 Uhr, Vilstalhalle) im bayerischen Derby gegen Lohhof schon unter Druck. Zwar sieht die Tabelle nach dem Sieg in Köpenick nicht mehr ganz so düster aus. Als Achter sind die Roten Raben aber immer noch weit vom Saisonziel, Platz eins bis vier, entfernt.
"Die Territorien sind noch nicht abgesteckt", sagt Kapitänin Nadja Jenzewski. Die Abstimmung innerhalb der Mannschaft fehlt, das ist auch laut Geschäftsführer Klaus-Peter Jung-Kronseder derzeit ein Problem: "In den letzten Jahren hatten wir die Spielerinnen immer drei Monate vor dem ersten Spiel zusammen, dieses Mal nicht." Außenangreiferin Marika Serafin kam erst vier Tage vor dem Saisonstart nach Vilsbiburg, auch die anderen fünf Zugänge stießen nicht viel früher zum Kader: Zuspielerin Lena Möllers und Außenangreiferin Sarah Petrausch waren noch mit der Nationalmannschaft unterwegs. So war es kaum möglich, eine Einheit zu formen. Doch trotz des schlechten Saisonstarts verfällt Jung-Kronseder nicht in Hektik: "Wir werden erst an Weihnachten eine Standortbestimmung machen." Die Verantwortlichen wollen der Mannschaft also Zeit geben, sich in der niederbayerischen 11 000-Einwohner-Gemeinde bei Landshut aneinander zu gewöhnen. Erfolge bei Derbys sollen schon manchen Mannschaften dabei geholfen haben. Genau deshalb hofft Jung-Kronseder gegen Lohhof auf die Unterstützung der Fans: "Wir erwarten deutlich über 1000 Zuschauer zum Derby.' Nach dem Matchball sollen sie dann wie gewohnt jubeln - und nicht wieder in Stille erstarren wie beim letzten Spiel.
Sebastian Winter